Klingt das nicht typisch Deutsch? Richtig: Es klingt nicht nur danach, es ist typisch!
Erstmals wurde mir das klar, als ich das Unileben in England kennenlernte. Total überrascht war ich als sich mein Dozent folgendermaßen vorstellte: “Hey guys, I´m Markus. How are you?” Wer an einer deutschen Uni studiert, weiß, dass solch eine Begrüßung hier undenkbar ist. So locker vom Hocker die Studenten begrüßen, dabei den Vornamen anbieten und er erwartet nicht einmal, das man seinen akademischen Grad nennt bzw. schreibt. Das war einer der Gründe warum mir das Unileben in England super gut gefallen hat. Die Nähe zum Lehrenden lässt einen selbst profitieren, denn man ist viel motivierter.
Als ich dann wieder in Deutschland war, fiel mir verstärkt auf wie besessen alle von akademischen Titeln sind. So auch vergangenen Samstag während eines Symposiums. Ehrengast und Schulministerin betrat die Bühne, um eine tolle Rede zu schwingen. Ehrlich gesagt hatte ich mich wirklich darauf gefreut und war gespannt auf ihre Meinung zum Thema des Tages. Als sie jedoch anfing, jede einzelne (wichtige) Person mit Doktor- und Professorentitel zu begrüßen, hatte ich schneller abgeschaltet als sie den zweiten Titel aussprechen konnte. Die Nasen der begrüßten Personen klebten natürlich an der Decke.
Mich regt sowas auf. Dass ein Doktortitel eh nicht viel wert ist, wissen wir ja mittlerweile. Ist ja offenbar eh nicht schwer zu ergattern. Wenn jemand dies allerdings auf ehrliche Weise hinbekommt, findet er meine Anerkennung, ist klar. Aber ganz ehrlich: Ist jemand noch dazu bescheiden und besteht nicht darauf, den Doktortitel in seinem Namen zu lesen, hat er meinen absoluten Respekt. Das ist schließlich nicht alltäglich in unserer Gesellschaft und ich finde es toll, wenn man sich mit allen anderen Bürgern auf eine Stufe stellen kann.
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Das schlimme hier in Deutschland ist aber, dass die Jobchancen ohne einen Uni-Abschluss immer schlechter werden. Du kannst noch so viel mehr wissen als dein Nachbar der Dipl. Ing. ist, er wird auf jeden Fall besser bezahlt.
@Jens: Ja, das zeigt wieder unsere Oberflächlichkeit. Ich will mich ja gar nicht absolut ausschließen. Mich beeindruckt es auch, wenn jemand sich einen Titel erarbeitet hat, aber man sollte Menschen nicht darauf reduzieren, denke ich. Auch nicht im Job!! Andere Skills sind genauso wichtig.
Ich kenne auch Doktoren, die darauf bestehen, dass sie mit Vornamen angesprochen werden. Auch in Seminaren. Aber generell ist so ein Seminar ja eine “öffentliche” Veranstaltung… und wenn da jemand zu Gast ist, wird es halt förmlicher. Muss man mit Leben. Ist zwar typisch deutsch, aber naja…
Wenn da allerdings vehement immer drauf bestanden wird, zum Beispiel in Sprechstunden etc., dann gebe ich dir recht… wer hat schon Lust jedes Mal bei einer Frage “Prof. Dr. Blablabla” zu sagen… xD
@Lordy: Echt? In meinem Studiengang gibt es solche Doktoren nicht und in meinem Bekanntenkreis auchnicht. Bei mir sind es nicht mal “öffentliche” Veranstaltungen und selbst dann kommt es nicht zur persönlicheren Atmosphäre. Find ich sehr schade.
Es ist immer ein schmaler Grat zwischen Anerkennung und übertriebenem Heldentum. Auf der einen Seite sollte man Menschen mit Titel nichts unterstellen und die harte Arbeit, die für die Erlangung (normalerweise) notwendig ist, würdigen. Auf der anderen Seite ist ein Titelträger auch kein Übermensch und besser als andere, nur weil er einen Titel erlangt hat. Jeder muss sich selbst entscheiden, wie er damit umgeht, man sollte aber ein gesundes Mittelmaß finden.
In meiner Studentenzeit kannte ich nicht einen Professor, der sich in der “Öffentlichkeit” Duzen lassen hat. Einer hat uns das im privaten Rahmen angeboten…
Was die liebe Öffentlichkeit angeht, werde ich bei jeder Flugbuchung daran erinnert, dass ich nur ein “Herr” bin..
Ich bin ja keine Studentin, aber ich kenne diese Veranstaltungen trotzdem, wo erst ein wichtiger Mensch redet, dann noch einer und schließlich noch einer. Ich finde es auch nicht gut, dass die alle persönlich begrüßt werden, denn verdient haben die es nicht. Größtenteils sind sie da, weil ihr Beruf bzw ihr Amt (Minister oder so) es verlangt. Und es geht doch eigentlich um die Inhalte, die in der Veranstaltung vermittelt werden sollen.!