Ich weiß nicht wie genau es an anderen Universitäten geregelt wird. An der Uni Münster ist es jedenfalls so, dass es in einigen Studiengängen die Anwesenheitspflicht bei Seminaren und Vorlesungen gibt. Fraglich ist, ob diese Regelung wirklich sinnvoll ist oder ob sie die Studenten nur an einem reibungslosen Ablauf im Studienverlauf hindert.
In einem meiner zwei Fächer gibt es diese Anwesenheitspflicht, nämlich in Englisch. Einerseits ist es natürlich schon ganz gut, in jeder Sitzung seine Unterschrift leisten zu müssen, denn so nimmt man wirklich an so gut wie allen Veranstaltungen regelmäßig teil und bleibt nicht aus purer Gemütlichkeit einfach mal zu Hause. So verpasst man wirklich so gut wie keinen Stoff.
Andererseits ist man gezwungen, sich auch zur Uni zu bewegen, wenn man wirklich krank ist und eigentlich ins Bett gehört. Das war bei mir Ende dieses Semesters zum Beispiel der Fall. Sinnvoll fand ich das nicht. Weiterer Nachteil ist, dass die Anwesenheitspflicht Grund dafür sein kann, dass man einfach mal wegen einer anwesenheitspflichtigen Veranstaltung ein ganzes Semester länger studieren muss. Beispiel: Wenn ich für das Auslandssemester in England angenommen werde, kann ich im nächsten Wintersemester einen Grundkurs aufgrund meiner Abwesenheit nicht belegen. Ich müsste ihn aber theoretisch unbedingt nehmen, um in der Regelstudienzeit zu bleiben (Veranstaltung wird lediglich im Wintersemester angeboten). Zunächst habe ich gedacht, dass ich mich in den Stoff selbständig einarbeiten und einfach nur die Klausur mitschreiben kann. Fehlanzeige: Anwesenheitspflicht. Wenn die Modulbeauftragte (auf dessen Mail ich schon seit zwei Wochen warte) keine Gnade zeigt, muss ich wegen dieses Grundkurses ein Semester länger studieren. Der Master würde sich somit um ein ganzes Jahr nach hinten verschieben, da dieser immer nur zum Wintersemester begonnen werden kann.
Unsinnige Blockade, meiner Meinung nach. Das Bachelor System sollte doch gerade solche Sackgassen verhindern und vor allem Auslandserfahrungen fördern. Wie soll das funktionieren, wenn der Anreiz dazu vom störrischen System blockiert wird?
Darüber hat man sich in Münster nun offenbar doch ein paar Gedanken gemacht. So konnte ich vor einigen Tagen in meinem Feedreader folgende erfreuliche Überschrift vorfinden: Anwesenheitspflicht wird auf Druck der Studierenden abgeschafft. Leider bleibt die Frage offen, ob die neue Regelung nun wirklich durchgesetzt wurde, und wenn ja, ab wann sie in Kraft tritt. Bisher habe ich keine Antwort erhalten.
Für mein oben beschriebenes Problem wäre die Durchsetzung die Lösung. Momentan bleibt da wohl nur die Hoffnung.
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Bei uns wird im Normalfall immer eine Unterschriftenliste durchgereicht, egal ob Vorlesung, Seminar oder Übung. Allerdings ist aufgefallen, dass es gegen das Hochschulgesetz in dem Sinne verstößt, dass eine solche Liste kein Grund zum Ausschluss von der Prüfung ist. Daher haben jetzt einige Dozenten damit aufgehört, was mir persönlich auch lieber ist. Denn ich strukturiere meinen Lehrplan lieber selber, hatte ja teilweise große Überschneidungen mit Vorlesungen und co. und daher ist mir die neue Regelung ohne Liste auch viel lieber.
Also bei mir herrscht ja auch eigentlich Anwesenheitspflicht. Aber in den wenigsten Vorlesungen wird das auch wirklich überprüft. Finde ich eigentlich ganz gut so. Ist natürlich jetzt voll doof für dich mit dem Semester länger studieren. Aber die ganze Sache mit dem Bachelor ist doch sowieso voll nach hinte los gegangen.
Auch hier – wie in so vielen Bereichen des Lebens – finde ich muss mit Augenmaß vorgegangen werden. Wie kommt es zum Beispiel, dass eine Arbeitnehmer mit krankem Kind dafür krankgeschrieben werden können, Studierende aber nur höchstens zwei Mal fehlen dürfen?
Was ich durchaus legitim finde und auch selbst schon gemacht habe, ist wenn jemand länger krank o.ä. war die Möglichkeit durch eine entsprechende Arbeit zu zeigen, dass sie die versäumten Sitzungen nachgearbeitet haben. Denn das ist ja das Argument: Wer zu oft fehlt verpast wichtige Inhalte…
Als Lehrer im zweiten Bildungsweg bin ich gegen eine Anwesenheitspflicht. Mein Interesse ist es, dass die Schüler etwas lernen. Wenn das durch meinen Unterricht geschieht, freut mich das. Wichtig ist für mich, am Ende des Semesters zu sehen, dass die Schüler das Klassenziel erreicht haben – wie, das kann mir doch egal sein. Anwesenheitspflicht führt gerade in der Schule zu peinlichen Entschuldigungen, Lügen und extrinsischer Motivation.
Auch als Student habe Anwesenheitspflicht immer als den schlecht verborgenen Vorwurf verstanden, mich würde das Thema nicht genug interessieren, um mich damit aus eigener Motivation zu beschäftigen. Behandel Erwachsene wie unmündige Kinder und sie werden sich bald auch so benehmen.
Also, in den roßen Vorlesungen gibt es bei uns keine Anwesenheitspflicht, das kann man nicht kontrollieren, aber dafür in allen scheinrelevanten Pro- und Hauptseminaren und Sprachkursen, weil da nur 20-25 Teilnehmer mitmachen dürfen. Und das wird auch penibel überprüft und wer mehr als zwei mal fehlt, der kriegt eben keinen Schein.
Klar, für manche ist das Motivation, wirklich hinzugehen. Aber es legt wirklich viele Steine in den Weg. ich finde es auch nicht so gut. Grad dann nicht, wenn sich dadurch eben alles verzögert. Aber ich muss gestehen – ich wäre sonst wohl gar nicht in der Uni :-D
Aaaaaber: Ich habe zB für mein Erzieungswissenschaftliches Examen nur zwei Pflichtveranstaltungen besucht, alles andere, was man machen MUSS (aber keinen Schein bekommt) weggelassen. Es hat trotzdem zu einer 2 Gereicht. Ich bin auch der Meinung, jeder soll sein Studium eigenverantwortlich gestalten können.
@Hikari: Bei uns dürfen die Dozenten damit nicht aufhören. Jedes Mal, wenn Studenten sich über die Listen beklagen, wehren sich die Dozenten mit dem Argument, dass sie lediglich Vorschriften einhalten.
Du hast es eigentlich auf den Punkt gebracht. Gerade als Student ist man ja reif genug zu entscheiden, was gut für einen ist. Jeder hat auch seine eigenen Lernmethoden und Studieren ist doch selbständiges Arbeiten oder nicht? Darauf sollte bei solchen Regelungen wirklich Rücksicht genommen werden. Stattdessen wird die Motivation gebremst, meiner Meinung nach.
@Nadine: Ja, das Desaster ist dann mal wirklich auf die Bachelor Regelung zurückzuführen. Ich hoffe noch, dass die Modulbeauftragte Erbarmen zeigen wird. Dafür müsste sie aber zunächst mal meine E-Mail beantworten und damit lässt sie sich bereits fast zwei Wochen Zeit! grml..
@Christian: Ich finde du hast da genau die richtige Einstellung und die Lösung mit dem Nacharbeiten finde ich auch durchaus fair. Auf solche Gedanken scheint bei uns nur leider niemand zu kommen. Schade.
@Kai: Erst einmal “Herzlich Willkommen hier”
@MrsBumblebee: Bei uns gibt es selbst in den großen Vorlesungen mit 250 Teilnehmern Anwesenheitslisten und die werden auch penibelst kontrolliert. Ziemlich albern wie ich finde.
Ich finde auch, dass jeder über die Häufigkeit der Teilnahme selbst entscheiden sollte. Das ist doch eigentlich auch der Sinn des Studierens oder? Das war er zumindest mal, vor langer Zeit. Dein Beispiel zeigt es ja ganz gut, dass jeder seine eigene Methode finden muss und da können einem irgendwelche sinnlosen Richtlinien nicht wirklich helfen.
Ja… die Anwesenheitspflicht. Ein immer wieder ganz spannendes Thema. Ich kann dazu nur sagen: Ich mag sie nicht. 2 mal darf man fehlen… beim dritten Mal ist man raus. Wenn man sich diesen Winter und die Krankheitswellen anschaut, dann kommt das schnell. Natürlich bekommt man allein einen CP für die Anwesenheit und daher ist es schon wichtig hinzugehen, aber naja… ich konnte bisher eine Vorlesung, die ich brauche, nie belegen, weil da immer andere Sachen waren, die auch gemacht werden müssen. Gerade zu Stoßzeiten (Mo bis Fr von 10-14 Uhr) ist an der Uni viel los, viel überschneidet sich. Das macht einem schon einiges kaputt. Hätte sich das anders ergeben, dann wäre ich in Theologie schon fertig. Aber nein… hat es nicht. Wahrscheinlich schaffe ich es jetzt nicht einmal in der Regelstudienzeit… obwohl mein Stundenplan nie übermäßig voll war… oh… ich bin nun lieber ruhig…
@Lordy: Das scheint ja auch bei dir ein wunder Punkt zu sein und das aus ähnlichem Grund wie bei mir. Es ist total ärgerlich, wenn man wegen so einem Mist länger studieren muss, zumal die Unis doch eigentlich bestrebt sind, dass ihre Studenten ihr Studium in der Regelstudienzeit absolvieren. Dafür gibt es glaub ich sogar hohe Prämien. Insofern ist das alles total widersprüchlich und irrsinnig sowieso.
@Sonja: Wie gesagt, bei uns ist das laut dem Hochschulgesetz !! ja VERBOTEN, daher verstoßen die Dozenten gegen keine Regeln, wenn sie mit den Listen aufhören, ganz im gegenteil, sie fangen an, nach den Regeln zu handeln
Die Listen an sich sind zwar nich verboten, aber eben die daraus resultierenden Ausschlüsse von Prüfungen.
[...] gekippt: Lasst Student Student sein Hatte ich mich vor einigen Wochen noch gefragt, wann die freudige Nachricht, dass die Anwesenheitspflicht an der Uni Münster [...]