Lehrer – Sündenbock für alles?

Gerade habe ich einen Artikel auf tagesschau.de entdeckt, der mich nun dazu veranlasst, mich hier darüber auszulassen.

Hierin wird mal wieder das schlechte Image der Lehrer dargestellt. Vor allem seien es unabhängige Befragte (also diejenigen, die keine Kinder im Schulalter haben), die die Arbeit der Lehrer als schlecht einstufen und diese eben deshalb kritisieren. Allein diese Aussage halte ich schon für recht gewagt, schließlich ist es mehr als unfair seine Meinung zu Themen zu äußern, von denen man keine Ahnung hat. Meiner Meinung nach ist es daher sinnlos, diese Menschen überhaupt zum Thema “Lehrerleistung” zu befragen.  Da wäre es ja angebrachter, die Großeltern der Schüler in die Umfrage mit einzubeziehen.

Aber auch von den Eltern der Schüler erhalten die Lehrer keine gute Kritik, wenn doch eine bessere als von den vorgenannten Personen. Natürlich gibt es leider immer wieder Lehrer, die ihren Job nicht ernst nehmen oder einfach nicht für diesen Beruf geboren sind – es ist ja auch durchaus keine einfache Aufgabe heutzutage und solche Fälle gibt es in jeder Berufsrichtung. Allerdings sollte man – wie auch in dem Artikel bereits erwähnt – beachten, dass Lehrer heute oft die Aufgabe der Eltern, die Kinder zu erziehen, übernehmen müssen, da die Eltern dazu einfach nicht in der Lage sind, sei es aus sozialen, finanziellen oder gar psychischen Gründen. Wie sollen Lehrer mit solch einer Verantwortung zurechtkommen, wenn die Eltern es nicht schaffen und sie nebenbei auch noch das fachliche Wissen vermitteln sollen? In unserer heutigen Gesellschaft wird ihnen damit eine doppelte Aufgabe auferlegt.

Als Lösungsvorschlag wird hier aufgeworfen, Lehrer nach Leistung zu bezahlen. Die Frage ist nur, wonach man in der Schule Leistung messen kann? Noten der Schüler? – Unmöglich, schließlich bringt jedes Kind unterschiedliche individuelle Voraussetzungen mit in den Unterricht. Auch hierbei spielen doch soziale Herkunft und persönliche Fähigkeiten eine Rolle, die man nicht verallgemeinern kann.

Meine Absicht ist es eigentlich nur, klar zu machen, dass man gegenüber Lehrern nicht immer nur negative Kritik üben sollte. Stattdessen ist es wichtig, sich auch in ihre Lage zu versetzen und sich bewusst zu machen, wie schwer es sein kann, die hohen Erwartungen zu erfüllen. Natürlich ist es am einfachsten, sie für die schlechten Leistungen der Schüler verantwortlich zu machen, aber in der Realität fließen hier einfach eine Menge Faktoren zusammen, die nicht nur durch Lehrkörper veranlasst werden. Hier ist einfach ein sinnvolles Zusammenspiel von Eltern, Lehrkräften und vielleicht sogar Schulpsychologen gefragt. Für mich als (hoffentlich) angehende Berufsschullehrerin ist das alles natürlich ein großes Thema und eine ebenso große Herausforderung. Es gibt noch viel zu tun in unserem Bildungssystem…

5 comments to Lehrer – Sündenbock für alles?

  • Jan (64 comments)

    Das ist schon nen schwieriges Thema. Bei mir damals ;-) aufm Gymnasium gab’s auch ein paar Lehrer, die sich wirklich reingehängt haben; teilweise abends sehr lange da waren und sich bestimmt auch mit Problemen der Schüler beschäftigt haben.

    Andererseits hat man bei manchen Lehrpersonen das Gefühl, dass sie seit mehreren Jahrzehnten ihren Stoff gleich unmotiviert runterbeten und sich wenig darum scheren, ob beim Auditorium überhaupt etwas hängen bleibt.

    Das angesprochene Problem, dass Lehrer die Erziehung mit übernehmen (müssen), weil die Eltern es nicht hinbekommen, dürfte tatsächlich noch größer werden, als es schon ist. Die Arbeitszeiten werden wohl so lang bleiben oder sogar noch ausgedehnt werden, sodass bei den Eltern schon eine große Aufopferungsbereitschaft vorhanden sein muss, um nach Feierabend ihren Kindern die Aufmerksamkeit und Zuneigung zu schenken, die sie verdient haben. Blöd nur, wenn der Fernseher und die Flasche Bier weniger lästig sind als das fragende, weinende, aufwachsende Kind.

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    Sonja (452 comments) Antwort vom März 27th, 2009 20:37:

    Solche Lehrer gibt es immer, die ihren Beruf nicht (mehr) ernst nehmen, aber solche Menschen gibt es beispielsweise auch in der Stadtverwaltung oder so.
    Gerade was die Arbeitszeiten betrifft, hast du recht. Das wird zukünftig sicherlich nicht besser werden.

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  • Sabine (1 comments)

    Es ist seit Jahren das gleiche Thema…

    Ich kann nur sagen, dass sich sowohl Eltern als auch Lehrer an die Nase fassen müssen. Lehrer haben schon immer “miterzogen”, nur sollen sie dies nun ganz alleine schaffen.

    Leider starten (oder starteten) viele junge Lehrer mit einem verklärten Blick in ihr Berufsleben und lassen es an ihren Schülern aus. Ebenso fehlen aber auch Disziplin und Konzentration bei den Schülern, was eindeutig das Elternhaus beizubringen hätte.

    Mein bestes Beispiel zu diesem Thema ist meine ehemalige Berufsschulklasse: Eigentlich junge Erwachsene, die wissen müssten, dass es nun drauf ankommt – und der Notenschnitt hatte von 1 bis 5 alles zu bieten… Allein an den Lehrern kann es also definitiv nicht liegen!

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    Sonja (452 comments) Antwort vom April 9th, 2009 08:44:

    Das Beispiel der Berufsschulklasse ist ein guter Einwurf. Das Phänomen tauchte bei uns auch so auf und ich kann es nur bestätigen. Dabei waren wir ja eine “Steuerfachangestellten-Klasse”, die sogar schon als vernünftiger gilt. Darin besteht dann wohl die Herausforderung für mein zukünftiges Berufsleben! :)

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